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Zwei von drei Flensburgern machen Abi

Die Fachhochschulreife im Visier: In der Berufsfachschule 3 der Eckener-Schule werden Technische Assistenten für Informatik ausgebildet.

 
Flensburger Tageblatt, 01.02.2012
 
Die drei großen Berufsbildungszentren sorgen für eine ungewöhnlich hohe Quote von Schulabgängern mit Hochschulzugangsberechtigung 
 
Wer hätte das gedacht? Fast jedes zweite Abitur in Flensburg wird mittlerweile an einem der drei großen Berufsbildungszentren der Stadt abgelegt. Im vergangenen Frühjahr legten 410 der rund 870 Abiturienten – Allgemeine Hochschulreife, fachgebundene Hochschulreife (Fachabitur) oder Fachhochschulreife) – ihre Prüfung erfolgreich an den Vollzeitschulen von Eckener-Schule, Hannah-Arendt-Schule oder der Flensburger Wirtschaftsschule (HLA) ab. Das sind mehr als 47 Prozent aller Flensburger Abschlüsse mit „Hochschulzugangsberechtigung“. Zusammen mit den 350 Abiturienten der vier Flensburger Gymnasien und den 110 Schülern, die an Kurt-Tucholsky-Schule oder Fridtjof-Nansen-Schule ihre Abi-Prüfung ablegten, machen die 870 Abiturienten fast 70 Prozent aller 1280 Flensburger Schulabgänger des vergangenen Sommers aus. Im Klartext: In Flensburg verlassen mittlerweile mehr als zwei Drittel aller jungen Leute die Schule mit einem Abi in der Tasche. „Diese hohe Quote entsteht durch die drei starken Berufsbildungszentren in der Stadt“, erklärt Flensburg Bildungsmanager Wolfgang Sappert. Sie sei das Ergebnis der „besonderen Flensburger Mischung“ aus allgemeinbildenden Gymnasien, Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe und den drei regionalen Bildungszentren (RBZ). Nicht mitgerechnet in dieser Statistik sind die Schulabschlüsse der privaten Flensburger Schulen – also von den dänischen Schulen und der Freien Waldorfschule, die traditionell ebenfalls eine hohe Abiturienten-Quote verzeichnen.


Der Drang zu Beruflichen Gymnasien, Fachoberschulen, Berufsoberschulen und Berufsfachschulen – also den Vollzeitschulen der RBZ – ist zuletzt stark angewachsen: „In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl dieser Schulabgänger mindestens verdoppelt“, sagt zum Beispiel Detlef Conrad, stellvertretender Schulleiter der Hannah-Arendt-Schule. Diese Schulen speisen sich zu einem großen Teil mit Realschulabsolventen: „Für diese Schüler sind die Profile aus dem beruflichen Umfeld viel interessanter“, glaubt auch Dietmar Post von der Eckener-Schule. Und um mit einem alten Vorurteil aufzuräumen: „Auch wer auf dem technischen Zweig des Beruflichen Gymnasiums ist, kann nachher Philosophie studieren“, sagt Thomas Hill vom BBZ Schleswig.
 
Fachabitur legen an den Berufsschulen die Absolventen der Berufsoberschule mit einer Fremdsprache ab – das sei aber eine relativ kleine Gruppe, sagt Andreas Zettl von der HLA. Die Fachhochschulreife, also den Zugang zur FH, erreichen die Schüler des Beruflichen Gymnasiums wie an allen anderen Gymnasien nach dem 12. Jahrgang. Wer das Fachabitur hat, zum Beispiel an der Hannah-Arendt-Schule, dürfte in der eigenen Fachrichtung an jeder Uni studieren, etwa Medizin.
 
„Manchmal sind es aber auch Spätstarter, die an den RBZ ihre zweite Chance nutzen“, sagt Dietmar Post: „Bei uns gibt es für jeden Lebensweg das entsprechende Angebot.“

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Bis zum 29. Februar kann man sich bei den Flensburger Berufsbildungszentren für das nach den Sommerferien beginnende Schuljahr anmelden.
 
sh:z/Flensburger Tageblatt/Text: CarloJolly, Bild: Michael Staudt