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Nervenkiller und Sitzenbleiber

Julia Wiltschek präsentiert den Prototyp eines innovativen Schuhs – Vorlage für die industrielle Fertigung.

  
Jugend forscht zum Thema Arbeitswelt: Die Fördestadt ist mit der Eckener-Schule beim bundesweiten Wettbewerb vertreten
 
Flensburger Tageblatt, 14.02.2013
 
Nervenkiller und Sitzenbleiber Flensburgs  Flensburg Wie bleibt man in der Schule am besten sitzen? Eine der leichtesten Übungen – sollte man meinen. Doch es gibt Schüler, die sich angesichts dieser Herausforderung fundamentale Gedanken machen. Die sich den Kopf darüber zerbrechen, wie man am besten sitzen bleibt, ohne die Klasse wiederholen zu müssen. Jacqueline Mader (21) und Milena Lamm (19) haben exakt diesen Ehrgeiz entwickelt und treten mit der nun gefundenen Antwort an bei „Jugend forscht“ – einem bundesweiten Nachwuchswettbewerb, der besondere Leistungen und Begabungen in Naturwissenschaften, Mathematik und Technik fördert.

  
„Jacqueline und Milena besuchen die Eckener-Schule, den 12. Jahrgang im Bereich Gestaltung. Sie denken pragmatisch und haben für ihre Arbeit, wie Milena meint, einen „extrem banalen“ Anlass gefunden. „Wir sitzen täglich viele Stunden, wir sitzen hart und unbequem – und viele von uns sind davon genervt.“ Also: Ein neues Sitzmöbel muss her. Die beiden ließen ihre Mitschüler zehn Modelle testen – vom Sitzsack über den Gymnastikball bis hin zum gepolsterten Stuhl. Während der Sack („allenfalls was zum Chillen“) auf dem letzten Platz landete, fand man einen vernünftigen Ansatz beim ergonomisch konstruierten Bürostuhl. Einer, der den Rücken stabil hält, gleichzeitig mittels Federung nachgibt, sich aber nicht drehen lassen darf. „Ständig gerades Sitzen ist nicht gut für die Lendenwirbel“, sagt Milena, „man muss die Möglichkeit haben, seine Haltung zu verändern.“ Auf Grundlage ihrer Untersuchung ließe sich nunmehr der ideale Stuhl zum Sitzenbleiben entwickeln.
 
Einen Prototyp hingegen können Jonas Jensen (18) und Julia Wiltschek (17) bereits vorweisen. Unter dem Arbeitstitel „Nervenkiller Schuhverschlüsse“ haben sie sich mit der Frage beschäftigt, wie man einen Schuh wirksam und nachhaltig verschließt, ohne sich dabei bücken zu müssen. Schnürsenkel, Klett- und Reißverschlüsse sind für sie nämlich der Inbegriff von „Alltagsnerv“.
 
Eine knifflige Aufgabe. Die Lösung fanden sie in Form eines Fahrradschlauchs, mit dem sie einen Schuh durchgängig umwickelten; auch ein Ventil fehlt nicht. „Die Luft wandert dahin, wo der geringste Widerstand ist“, erläutert Julia. Eine luftgepolsterte Ummantelung würde den Schuh besser am Fuß halten, als jeder Schnürsenkel es kann. Auch der Sicherheitsaspekt ist nicht zu vernachlässigen - gerade in derArbeitswelt eine wichtige Anforderung. Mittels eines Blasebalgs hätten besonders Kinder und ältere Menschen keine Probleme mehr, den Schuh zu verschließen. Ein Prototyp ist seiner Natur nach nicht ausgereift – aber er kann Vorbild sein für eine industrielle Fertigung.
 
Beide Projekte gehen im Fachgebiet „Arbeitswelt“ an den Start. Andree Rossow, der die Gruppen als Lehrkraft betreut, sieht gute Chancen beim Regionalentscheid, der am 2. Februar in Quickborn ausgetragen wird. „Wir sind eine Berufsschule. Insofern sind die Entwicklungen sehr dicht am Schul- und Berufsleben angesiedelt“, sagt er. In diesem Bereich ist die Konkurrenz überschaubar. Wird es gar für einen 1. Platz für Flensburg beim Wettbewerb „Jugend forscht“ reichen? 
  
sh:z/Flensburger Tageblatt/ Text und Bild: Gunnar Dommasch