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Flensburger Bildung von der Kita bis zur Uni

 
Flensburger Tageblatt, 27.06.2012
 
Dritter Teil der Serie zum Strategieprozess: Flexibilität soll Bildung für alle ermöglichen

Wenn Politiker über die Zukunft sprechen, geht es immer auch um Bildung. Da überrascht es nicht, dass dieses Thema auch bei der neuen Flensburg-Strategie eine bedeutende Rolle spielt. Als Ergebnis der Interviews, Workshops und Expertenrunden heißt das entsprechende Globalziel „Stärkung der Sozialstruktur durch Bildung für alle!“ Flensburg möchte demnach den integrierten Bildungsweg von der Kita bis zur Uni/Berufsausbildung bieten. Die Stadt verfügt über ein außergewöhnlich großes und vielfältiges Bildungsangebot, nicht zuletzt durch die Vielzahl an Trägern im Kita-Bereich, durch das dänische Schulwesen, die drei Berufsbildenden Schulen und die beiden Hochschulen auf dem Campus.
 
Neue Wege in der Bildung geht seit einigen Jahren die Eckener-Schule, die als Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) und mit dem Titel Regionales Berufsbildungszentrum mehr Autonomie und Eigenverantwortung hat als andere öffentliche Schulen; auch die beiden anderen Berufsschulen – die Hannah-Arendt-Schule und die Handelslehranstalt (HLA, die Flensburger Wirtschaftsschule) – sind diesen Weg gegangen. „Wir arbeiten mit Teams, die viel Verantwortung tragen“, erläutert Dr. Sven Mohr, Leiter der Eckener-Schule und damit in Personalunion Geschäftsführer der AöR. Die Teams können innerhalb eines gesetzten Rahmens selbst über Unterrichtsinhalte bestimmen und, so erforderlich, auch eigenständig neue Bildungsangebote entwickeln, die dann mit der Schulleitung abgestimmt werden. Man habe mit einem Bildungscontrolling im Sinne von Steuerung zu tun, führe externe Audit-Gespräche und verabrede Zielvereinbarungen. Misserfolge seien da nicht auszuschließen: Man habe sich darum bemüht, die Räume der Schule an neue Methoden anzupassen. Das, so Mohr, habe aber nicht funktioniert. „Da konnten wir unsere Ziele nicht umsetzen.“
 
Mit Blick auf die Bildungslandschaft der Stadt sieht Mohr einige Alleinstellungsmerkmale, die es auszubauen gelte. Die Fachhochschule und die Universität sieht er gut aufgestellt, bei den drei Beruflichen Schulen gebe es eine Reihe besonderer Angebote, mit denen sich Flensburg von anderen Zentren abheben könne. Als Beispiele nennt er die Gestaltungstechnik, die Holzbildhauerei, die Gebäudetechnik; die drei Schulen haben zudem einen hohen Anteil an Abiturienten.
 
Die kommen in der Regel von den allgemeinbildenden Schulen der Stadt; die Zusammenarbeit mit den Gemeinschaftsschulen sei gut, sagt Mohr, der Kontakt zu den Gymnasien eher verhalten. „Da gibt es noch etwas Informationsarbeit zu leisten.“
 
Im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets der Bundesregierung könne und sollte man verstärkt das Ehrenamt einbinden, um die Bildungschancen Benachteiligter zu verbessern. „Dafür müsste die Stadt den Overhead zur Verfügung stellen.“
   
Die Fähigkeit, schnell auf neue Bildungsanforderungen zu reagieren, sei von wachsender Bedeutung und liege vor allem bei den Beruflichen Schulen. „Wir müssen deshalb jedes Jahr umstrukturieren.“ Und auch einen Wunsch an die Universität hat Dr. Mohr: „ein Lehrstuhl für Berufs- und Lebensperspektive.“
 
sh:z/Flensburger Tageblatt: Joachim Pohl